Fichtelgebirgsverein Ortsgruppe Bischofsgrün e. V.

Bischofsgrüner Schätze Teil 14

Fichtelgebirgsverein e.V. Ortsgruppe Bischofsgrün e.V. im Fichtelgebirge

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Das Pfarrbuch von Franz Friedrich Wilhelm Gruber

Neben den Aufzeichnungen zur “Pfarr Bischofsgrün” von Johann Georg Wunderlich, den “Allerley Nachrichten” von Johann Andreas Stumpf und dem “Pfarrbuch” von Johann Georg Welzel enthält das Archiv des Evang. Luth. Pfarramtes Bischofsgrün noch eine weitere Pfarrbeschreibung mit der Aufschrift “Pfarr-Beschreibung 1890”.

Auf dem Vorsatzblatt findet sich folgende Bemerkung: “Dieses ungebunden vorgefundene Pfarrbuch wurde von Pfarrer Teicher binden lassen.” Da Pfarrer Georg Teicher der Kirchengemeinde Bischofsgrün von November 1915 bis Anfang 1937 vorstand, muss die Bindung in diesem Zeitraum erfolgt sein, wahrscheinlich bereits in den ersten Jahren seiner Tätigkeit. Zeitlich ebenso wenig festzulegen ist der Zeitpunkt der Entstehung dieses Pfarrbuchs, denn die Aufschrift “Pfarr-Beschreibung 1890” stammt von späterer Hand.

Über den Verfasser allerdings gibt es keine Zweifel: Es ist Franz Friedrich Wilhelm Gruber, Pfarrer in Bischofsgrün von 1878 bis 1899. Abgesehen von Nachträgen späterer Pfarrer zeigt der Text ausschließlich die Handschrift Grubers. Außerdem weisen ihn auch da und dort eingefügte Kommentare und Zeitangaben eindeutig als “Berichterstatter” aus. Was die Datierung der Handschrift anbetrifft, so deutet vieles darauf hin, dass sie zwischen 1888 und 1895 entstanden ist.Für die erste Zahl spricht, dass Gruber häufig sehr ausführlich und meist wortgetreu aus der Ortschronik seines Kantors Christian Mösch zitiert, die mit dem Tod des Letzteren im September 1887 ihren Abschluss fand. Die zweite Jahreszahl ergibt sich aus dem Text: Der letzte datierte Eintrag stammt aus dem Jahr 1895.In Grubers 21-jährige Amtszeit fielen der Wiederaufbau von Dorf und Kirche nach dem großen Brand von 1887 sowie der Kampf um die Fortführung der Eisenbahn von Berneck nach Bischofsgrün. Beide Projekte verfolgte er mit ganzer Kraft und hohem persönlichen Einsatz. Überdies erwies er sich als ein einfühlsamer Seelsorger und erwarb sich auch hier die Achtung seiner Pfarrkinder. Die Errichtung des Pfarrer-Gruber-Brunnens im Jahre 1955 war eine späte Würdigung der Verdienste dieses außergewöhnlichen Mannes.

Die Gliederung der Pfarrbeschreibung in einen “Historischen Teil”, einen “Topographisch-statistischen Teil” und einen “Religiös-sittlichen Teil” entspricht genau jener in Welzels Pfarrbeschreibung von 1841. Außerdem übernimmt er in großem Umfang und über viele Seiten hin Passagen daraus, allerdings da und dort das eine oder andere kommentierend oder ergänzend. Letzteres gilt besonders für den Bericht über die Brandkatastrophe von 1887 und den Neubau der Matthäuskirche. Ob er darüber hinaus Dokumente aus der Pfarrregistratur, die ihm ja bis zum Brand noch zur Verfügung standen, zu Rate zog, lässt sich nicht mehr feststellen, da er weitgehend auf Quellenangaben verzichtet.

Der erste “Historische Teil” behandelt die Entstehung des Ortes und der Pfarrei Bischofsgrün, den Bau bzw. Wiederaufbau der Vorgängerkirchen unserer Matthäuskirche sowie den Neubau der letzteren. Er nennt die Namen der Pfarrer, Lehrer, Organisten und Kirchner und berichtet von ungewöhnlichen Unglücksfällen in Kriegs- und Friedenszeiten. Auf die Auflistung der kirchlichen Rechte und Verbindlichkeiten der Pfarrei sollte schließlich die Darstellung ihrer Vermögensverhältnisse folgen. Als Abschluss des historischen Teils gedacht, ist sie leider nicht weiter ausgeführt.

Im zweiten “Topographisch-statistischen Teil” befasst er sich ausführlich mit dem Pfarrort und den zum Pfarrsprengel gehörenden Gemeinwesen. Er zeigt historische Entwicklungen auf, beschreibt Land und Leute, Landwirtschaft, Handwerk und Gewerbe, geht auf die klimatischen Verhältnisse und Unbilden der Witterung ein. Der überwiegende Teil der Ausführungen ist nahezu identisch mit jenen Welzels, allerdings ergänzt durch zu seiner Zeit aktuelle Entwicklungen, so zum Beispiel die Besorgnis erregende Situation der arbeitenden Bevölkerung, vor allem die der Handweber.Im dritten “Religiös-sittlichen Teil”, von dem aber nur drei Seiten ausgeführt sind, bescheinigt Gruber seinen Pfarrkindern, erstaunlicherweise vor allem der Jugend, eine zufriedenstellende Religiosität. Freilich beklagt er, dass Fleischeslust und Alkohol die Unsittlichkeit fördern und dass neue Ideen, die durch den Tourismus und die Sozialdemokratie verbreitet werden, zur Entfremdung von der Kirche beitragen

.Übertragen wurde das Werk von Siegfried Hartmann und Dr. Wolfram Schott.

Es ist im Herbst 2019 erscheinen und kostet 25 Euro.  

Erschienen in der Reihe „Bischofsgrüner Schätze“, Teil 14, Fichtelgebirgsverein Bischofsgrün e.V

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